Krankheiten beim Norsk Lundehund

(Verkürzte Fassung)

Obwohl der Lundehund ein sehr gesunder Hund ist, kommen auch bei dieser Rasse Krankheiten vor. Die bei der Rasse auftretenden Krankheiten können teilweise darauf zurückgeführt werden, dass alle heute lebenden Lundehunde von wenigen und miteinander verwandten Individuen abstammen, also so genannte Inzuchteffekte vorliegen.

IL (Intestinal Lymphangiektasie)

Beim Lundehund gibt es eine Krankheit, von der schätzungsweise 10% der in Norwegen lebenden Lundehunde betroffen werden. Diese Schätzung basiert auf empirischen Daten, denn eine diesbezügliche Statistik gibt es gegenwärtig nicht. Der NLK verwendet auf Empfehlung der Tierärztlichen Hochschule Norwegens die Bezeichnung „Intestinal Lymphangiektasie“ (IL) für diese Krankheit. Der Begriff „ Lundehundleiden“ oder „Lundehundsyndrom“ wurde früher ebenfalls benutzt. Diesen Ausdruck halten wir nicht für ganz glücklich. Tierärzte, die die Rasse nicht näher kennen, tendierten dazu, die Diagnose Lundehundleiden bei jedem Lundehund zu stellen, der mit Magen-Darm-Symptom in die Praxis kam, und dadurch sind einige Lundehunde falsch behandelt worden. Die Krankheit ist ferner bei anderen Hunderassen und bei ganz anderen Arten als Hunden bekannt. IL gibt es bei einer Reihe von Hunderassen, u.a. Basenji, Schäferhund, Grönlandhund, Großer Münsterländer, English Setter, und kommt sporadisch in den meisten Hunderassen vor. Diese Krankheit ist von Rindern her bekannt und kommt auch bei Menschen vor. Jytte Nysom hat neulich mitgeteilt, dass IL bei Basenji häufiger zu finden ist als beim Lundehund!
IL ist ein Zustand, bei dem die Lymphsysteme im Körper, und hier speziell der rundum den Darm angeordnete Teil der Lymphgefäße, nicht funktionieren und verstopfen, so dass die Lymphflüssigkeit austritt und in den Darm und das umliegende Gewebe gelangt. Ursache davon kann entweder eine angeborene anormale Entwicklung der Lymphgefäße oder aber eine Entzündungsreaktion oder ein Geschwulst sein. Man hat gegenwärtig keinen Anhaltspunkt zu sagen, dass IL beim Lundehund ein angeborener Zustand sei.

Symptome – den Tierarzt hinzuziehen!

Symptome für IL beim Lundehund sind gerne Durchfall und Erbrechen, wie auch Flüssigkeitsansammlungen in der Bauchhöhle oder bei anderen Organen wie im Herzbeutel. Sofern sich dort Flüssigkeit ansammelt, zeigt der Hund nicht Durchfall und Erbrechen als die ersten Symptome, sondern stattdessen Symptome für Herzversagen (akut krank mit Kurzatmigkeit, blauen Schleimhäuten und Torkeln/instabilem Gang). In beiden Fällen ist es sehr wichtig, schnell zu einem Tierarzt zu kommen; und ebenso wichtig ist es, den Tierarzt darauf aufmerksam zu machen, dass der Hund IL haben kann. Die Symptome können an Vergiftung denken lassen und werden oft damit verwechselt.
Die Ursache für das Entstehen dieser Krankheit ist nicht gänzlich bekannt, hingegen sind eine Reihe von Faktoren und Symptomen, die mit dieser Krankheit in Verbindung gebracht werden, bekannt. Der kranke Hund hat eine anormale Erweiterung und Verstopfung der Lymphgefäße im Darm. Das Lymphsystem hat die Aufgabe, überschüssige Flüssigkeit aus dem Gewebe abzutransportieren wie auch als Kläranlage für Bakterien und bei Entzündungszuständen zu fungieren. Im Darm und rundum letzteren ist die Lymphe milchig weiß, denn nährreiche Flüssigkeit, mit viel Fett, wird aus dem Darm aufgesaugt. Bei IL versagt dieses Aufsaugen. Das Blut muss eine gewisse Konzentration an Proteinen, einschließlich Albumin enthalten, um seine Aufgabe erfüllen zu können, Sauerstoff und Nährstoffe sowie Flüssigkeit in alle Gewebe hinein zu transportieren. Bei IL wird eiweißreiche und fettreiche Lymphe nicht in die Blutgefäße aufgesaugt, sondern leckt in den Darm über.
Dieser Zustand wird in Englisch als „protein losing enteropati“ bezeichnet. Der Proteinverlust führt zu gesteigerter Produktion von Proteinen in der Leber und dort zu einer erhöhten Belastung. Wenn der Verlust an Proteinen die Fähigkeit der Leber zur Produktion neuer Proteine übersteigt, entsteht Proteinmangel im Blut (Hypoproteinämie). Dies hat Auswirkung auf das osmotische Gleichgewicht im Blut, und Flüssigkeit tritt aus ins Gewebe und in Körperhöhlen. Das gilt besonders für die Bauchhöhle, in der ziemlich viel Flüssigkeit angesammelt werden kann, wonach sie sich „prall“ und voll anfühlt. Wie bereits erwähnt kommt es bei einigen Hunden auch zu bedeutenden Flüssigkeitsansammlungen im Herzbeutel oder in der Brusthöhle, was wiederum eine wesentliche Belastung für das Herz mit sich bringt, wodurch es zu Herzversagen kommen kann, wenn keine rasche Behandlung erfolgt. Bei vielen der an IL erkrankten Hunde entstehen auch Flüssigkeitsansammlungen unter der Haut, was den Hund dick aussehen lässt, wobei er sich weich und wabbelig anfühlt.
Infolge der Entzündungsreaktion im Darm werden die Darmzotten geschädigt. Dadurch wird die Aufnahme von Nährstoffen aus dem Darm zusätzlich reduziert, Flüssigkeit sickert in den Darm hinein, und der Hund bekommt kräftigen, anhaltenden, wasserartigen Durchfall. Ein Hund mit chronischer IL kann Durchfall und Erbrechen mit explosionsartigem Auswurf haben. Er magert ab, das Fell wird unansehnlich. Der Hund wird träge und verliert Muskelmasse.

Klinische Befunde

Der Hund sollte von einem Tierarzt behandelt werden, der Erfahrung in der Behandlung von IL bei Lundehunden hat. Durch Bluttest wird zu geringer Gehalt an Proteinen im Blut nachgewiesen. Die Werte für Albumine sowie Globuline sind niedrig. Der Hund hat ebenfalls häufig zu wenig Calcium und Cholesterin im Blut. Er hat zu wenig weiße Blutkörperchen (Lymphozyten). Calcium geht über den Darm gebunden an Albumin verloren, Cholesterin wird niedrig, weil Fett über den Darm verloren geht und schlecht aufgenommen wird.

Ursachen

Der Grund dafür, dass einzelne Lundehunde IL entwickeln, ist nicht bekannt. Praktische Erfahrung von Lundehundbesitzern deutet darauf hin, dass der Hund vor dem Krankheitsausbruch häufig irgend eine Form von akuter oder chronischer Stressbelastung erlebt hat. Als Beispiel sei psychischer Stress in der Lebensumwelt des Hundes angeführt.
Lundehunde in großen Zwingern haben eine leidige Tendenz, diese Krankheit zu entwickeln. Dies kann dadurch begründet sein, dass der Hund mit seinen Artgenossen mehr um den Kontakt zu den Menschen und um eine gute Position im Rudel konkurrieren muss. Es kann auch darauf beruhen, dass beim Zusammenleben so vieler Hunde eine erhöhte Ansteckungsgefahr entsteht. Bei einzelnen Hunden kam es zum Ausbruch von IL auch in Verbindung mit intensiven Wettbewerbsaktivitäten wie z. B. Ausstellungen. Hunde, die angefahren wurden, von anderen Hunden angegriffen und verletzt wurden oder Unfällen wie Biss einer Natter oder ähnlichem ausgesetzt waren, bekommen oftmals IL kurze Zeit danach. Über den Ausbruch von IL kurz nach einer Antibiotika-Kur wurde berichtet, ohne dass sich etwas darüber sagen lässt, ob die Antibiotika zu IL geführt haben. Es kann ebenso gut die Infektion des Hundes, gegen die mit Antibiotika vorgegangen wurde, als Ursache des IL-Ausbruchs angenommen werden. Es besteht kein Grund, einen Hund, der an IL erkrankt war und wieder gesund ist, aus der Zucht raus zu nehmen.

Die Ernährung von Lundehunden

Viele haben darauf hingewiesen, dass IL etwas mit der Ernährung des Hundes zu tun haben könne. Die Mehrzahl der Hundebesitzer füttern heute ihre Hunde mit Trockenfutter. Ein gutes Trockenfutter ist für einen gesunden Lundehund normalerweise gut geeignet; auf billigste Produkte sollte jedoch stets verzichtet werden. Man sollte darauf achten, einen Futtertyp auszuwählen, bei dem die verschiedenen Nährstoffe in mengenmäßig richtigem Verhältnis zu einander und in Relation zu dem Aktivitätsniveau des jeweiligen Hundes stehen. Ein Hund, der viel physisches Training absolviert, benötigt ein Futter mit ziemlich hohem Anteil an Proteinen und Fett. Ein sich sehr ruhig verhaltender Hund hat geringeren Bedarf an Proteinen und Fett. Ist der Hund viel in der Kälte draußen auf Touren, braucht er eine gewisse Menge Fett. Wünscht man den Hund mit selbst zubereitetem Futter zu ernähren, ist eine Kost mit hellem Fleisch wie Hähnchen sowie Fisch ( nicht zuviel Seelachs) als wichtigste Quellen tierischer Proteine zu empfehlen.

Vererbung

Es gibt ganz sicher u. a. einen erblichen Faktor betreffend das Auftreten von IL beim Lundehund. Das wissen wir, weil beim Lundehund häufiger IL zutage tritt als bei vielen anderen Rassen. Findet man ein gehäuftes Auftreten einer Krankheit innerhalb einer Gruppe von Individuen, die näher miteinander verwandt sind, im Vergleich zu einer zufälligen Auswahl einer Population, gilt die Krankheit als genetisch bedingt. Wir wissen demgegenüber nichts darüber wie IL vererbt wird. Es sieht ganz deutlich danach aus, dass mehrere Gene involviert sind, denn die Krankheit tritt in unterschiedlichem Alter und mit variierenden Symptomen sowie in unterschiedlichem Ausmaß bei den einzelnen Individuen zutage. Es scheint auch klar zu sein, dass lediglich eine gewisse Disposition für die Entwicklung von IL vererbt wird, nicht aber die Krankheit als solche. Zusätzlich zu dem erblichen Moment müssen ein oder mehrere Milieufaktoren in der Lebensumwelt des Hundes vorhanden sein, die den Ausbruch der Krankheit dann verursachen. Eine solche Kombination von Vererbung und Milieu wird gern als „multifaktoriell-polygenetisch“ bezeichnet.

Lässt sich IL wegzüchten?

Hinsichtlich IL gibt es ganz klar individuelle Unterschiede. Die aller meisten Lundehunde (vielleicht rund 90% in Norwegen) bekommen niemals IL. Und dies trotz der Tatsache, dass sie sowohl psychische als auch physische Belastungen unterschiedlicher Art erleben. Ich habe mehrere Versuche unternommen, das Vorkommen von IL zu registrieren und nach gemeinsamen Verwandten zu suchen, um zu sehen, ob die Krankheit innerhalb einzelner Familien häufiger auftritt. Diese Untersuchungen habe ich teilweise aufgrund von Hinweisen erfahrener Züchter durchgeführt, die im Hinblick auf die Zucht um Rat baten. Aus allen meinen Untersuchungen ging hervor, dass die an IL erkrankten Hunde ganz zufällig und ohne irgendein Muster innerhalb der Rasse vorkommen. Eine Untersuchung verwandtschaftlicher Beziehungen bei Hunden mit IL hat ebenfalls ergeben, dass es nicht möglich ist, Il wegzuzüchten, indem man einzelne Hunde aus der Zucht ausschließt, da alle Lundehunde weiterhin so nahe verwandt sind, dass wir dann sämtliche Individuen dieser Rasse ausschalten müssten.

IL kann jederzeit im Leben des Hundes, angefangen im Alter von 4-6 Monaten, aber auch bei ziemlich alten Hunden ausbrechen. Somit versteht sich von selbst, dass IL schwerlich wegzuzüchten geht. Das Vererbungsmuster für die IL-Disposition innerhalb dieser Rasse ist nicht bekannt, und es ließe sich sehr schwer berechnen. Dies zumal eine relativ große Anzahl erkrankter Hunde mit gesicherter Diagnose notwendig ist, um dies untersuchen zu können. Es sieht auch danach aus, dass beim Auftreten von IL ein gewisses „Ansteckungsmoment“ vorliegt,  denn mehrere Züchter berichteten, dass IL bei mehreren Hunden gleichzeitig ausbrach, und diese waren nicht nahe verwandt. Bei uns bekam ein Samojede IL, während einer unserer Lundehunde IL hatte; hingegen waren die übrigen Hunde in der Familie gesund.

IL und genetische Variation

IL ist eine Krankheit, die mit der Immunabwehr in Verbindung steht. Das Lymphsystem ist ein Teil der Immunabwehr des Hundes. Wir wissen, dass eine gute Immunität bei einer Hunderasse einen gewissen Grad an genetischer Variation voraussetzt. Das weist darauf hin, dass ein Zuchtprogramm, das Inzucht reduziert, zu verringertem Auftreten von IL führen kann, weil wir eine breitere genetische Variation erzielen, wodurch die Immunität in der Rasse verbessert wird.

Behandlung von Lundehunden mit IL

Es ist sehr wichtig, sich an einen Tierarzt zu wenden, wenn ein Hund eines der beschriebenen Symptome aufweist. Dieser Tierarzt sollte mit der Rasse vertraut sein. Einige Tierärzte halten es für ratsam, IL durch Darmbiopsie nachzuweisen. Die Darmzotten bei einem an IL leidenden Hund sind mit milchigweißer Lymphe angefüllt und sind darüber hinaus geschädigt, so dass die Morphologie verändert ist. Lassen Sie niemals eine Darmbiopsie vornehmen! Eine Darmbiopsie bringt unnötiges Leiden und Stress infolge des Eingriffs mit sich und kann den Hund viel kränker machen. Ein solcher Eingriff ist keine Behandlung und ist völlig unnotwendig für die Diagnose. Ganz im Gegenteil kann der Stress des Eingriffs dem kranken Hund zu viel werden, so dass er dabei stirbt. Die Diagnose IL wird anhand der Messung der Blutproteine gestellt, und eventuell werden die Messungen der Blutwerte eine Zeitlang verfolgt, und daneben wird der generelle Gesundheitszustand des Hundes untersucht. Bluttests eines Lundehunds weisen ganz anormale Blutwerte auf. Ein Tierarzt, der mit diesem Zustand nicht vertraut ist, kann annehmen, der Hund liege im Sterben als Folge von Organversagen, und vorschlagen, den Hund einzuschläfern. Bei richtiger Behandlung des Hundes wird er hingegen normalerweise wieder ganz gesund.
Der Hund benötigt über kurze oder längere Zeit Kortison und muss eine Zeit lang Diätkost erhalten. Oft wird auch Vitamin B (Folsäure) injiziert. Einige bekommen Antibiotika, um Infektionen zu stoppen, durch die die Krankheit noch komplizierter wird. Ablassen von Flüssigkeit aus der Bauchhöhle kann zu rascher Besserung führen, wenn der Hund einen hohen Druck im Bauchraum erkennen lässt. Diuretika (harntreibende Mittel), Antidiarrhöika (stopfende Mittel) und Mittel zur Linderung des Brechreizes werden häufig bei akut erkrankten Hunden verabreicht. Normalerweise wird der Hund wieder gesund, und die meisten können nach gewisser Zeit zu ihrer üblichen Kost zurückkehren. Andere brauchen mehrere Jahre eine speziell angepasste Kost. Sehr wenige Hunde sterben an dieser Krankheit. Dies betrifft insbesondere Hunde, die zusätzlich andere Probleme bekommen wie Magen-Darm-Infektionen, Krebs oder Herzversagen.

Diät für Lundehunde mit IL

Sofern ein Hund an IL erkrankt, ist eine Diät erforderlich. Ein für die Behandlung von IL kompetenter Tierarzt kann hinsichtlich der Diät gute Ratschläge erteilen. Gewöhnlich ist es richtig, den Hund mit einer Diät ganz ohne Trockenfutter oder mit einem beim Tierarzt erhältlichen Spezialtrockenfutter zu füttern, bis die Krankheit unter Kontrolle ist. Eine Diät bestehend aus Reis, Fisch oder Hähnchen und den notwendigen Spurenelementen ist zu empfehlen. Viele ergänzen dies mit Mineralstoffen auf Algenbasis o. ä. Wichtig ist, dass der Hund während des Krankheitszustands häufig und in jeweils kleinen Portionen gefüttert wird (vielleicht nur ein Teelöffel voll je Mahlzeit). Dadurch lässt sich Übelkeit und explosionsartiges Erbrechen verhindern. Einige empfehlen eine Zugabe von Johannis-brotkernmehl, um den Mageninhalt zu binden, und Zusatz von algenbasierten Mineralstoffen zwecks Erstattung des Mineralverlusts durch Diarrhöe. An IL erkrankten Hunden wird auch Oleum neutrale viakutan zusätzlich zugeführt. Der Hund braucht eine Lebensumwelt, in der es ruhig und verlässlich zugeht und muss vor Ansteckungsgefahr durch andere Hunde geschützt werden. Es kann länger dauern, bis der Hund kuriert ist, u. U. mit zwischenzeitlich mehreren Rückfällen, aber die meisten Lundehunde werden wieder ganz gesund und leben anschließend ganz normal lange weiter. Einige Hunde standen mehrmals dicht davor, IL zu bekommen, ohne ernstlich krank zu werden.

Vorbeugung

Der NLK gibt Ratschläge, wie sich das Ausbrechen von IL vorbeugend beeinflussen lässt. Von größter Bedeutung ist, dass der Hund ein gutes, wohlgeordnetes Leben bei seinen Menschen führen kann. Diese Rasse eignet sich nicht für groß angelegte Hundehaltung im Zwinger. Der Lundehund ist abhängig davon, nahe bei seinem Besitzer zu sein und mit den Menschen, die er gern hat, zusammenzuleben.
Es wird auch unbedingt davon abgeraten, einen Lundehund kastrieren zu lassen, denn kastrierte Hunde erkranken leichter an IL. Das kann an den hormonalen Veränderungen nach der Operation liegen. Es kann aber auch durch den Stress im Zusammenhang mit diesem Eingriff verursacht werden, zumal ein Ausbruch von IL kurze Zeit nach der Kastration nicht selten ist. Ein kastrierter Rüde gibt verwirrende Signale an andere Hunde, was seinen Stress in der sozialen Umwelt erhöhen und somit wiederum zum Ausbruch von IL beitragen kann.
Ein Lundehund soll nicht übermäßig beschützt werden. Man möge ihm gerne vom Welpenalter an eine etwas variierende Kost anbieten, zwischen mehreren Sorten Trockenfutter abwechseln und gerne ein wenig Zusatzfutter und Kauknochen geben. Er darf gerne Reste des Mittagessens, besonders gekochten Fisch und Gemüse, probieren. Übertriebener Schutz vor Ansteckungsrisiko ist auch nicht angebracht; man sollte keine Angst haben, den Lundehund ein normales Hundeleben führen zu lassen, wobei er die Welt nach Hundeart erforschen und andere Hunde beschnuppern darf . Damit der Lundehund eine gute Immunabwehr entwickelt, muss er gut trainiert sein, aber nicht unterfordert oder überbelastet werden.
Im Gegensatz zu Ratschlägen, die aktuell zu lesen waren, sind bei gesunden, symptomfreien Lundehunden weder regelmäßige subkutane Zuführung von Vitamin B12 noch Blutentnahmen zwecks Bestimmung der Konzentration der Proteine im Blutserum erforderlich. Dies kann zu Stress für den Hund führen, was wiederum einen Ausbruch von IL zur Folge haben kann!

Gab es bei den Lundehunden auf den Lofoten IL?

Diese Frage wird bisweilen gestellt. Wir wissen es wohl eigentlich nicht. Es gibt Grund zu der Annahme, dass bei den Lundehunden auf Værøy eine gewisse Sterblichkeit herrschte. Auf dieser Insel gab es keinen Tierarzt, und die Lundehunde waren nützliche Arbeitstiere, die sich ihre Kost selbst verdienten. Im Krankheitsfall wurden sie sicher so gut es ging gepflegt, aber ab und an starben doch wohl Hunde wegen Krankheit, ohne dass man mit Sicherheit weiß, um welche Krankheiten es sich handelte. Eins ist sicher: Auf Væroy erhielten die Lundehunde kein Trockenfutter. Sie wurden mit Speiseresten, Fischabfällen gefüttert und versorgten sich gewiss selbst mit verwestem Fisch und toten Vögeln oder Schafen, die sie auf den Geröllhalden und am Meeresstrand fanden. Auch heute noch ist ein Lundehund, der viel frei herumlaufen darf, dazu in der Lage, sich ernährungsmäßig selbst über Wasser zu halten. Mein Lundehund Herkules wurde im letzten Frühjahr recht und schlecht zu dick durch den Verzehr von großen Wühlmäusen, die er rundum unser Gehöft gefangen hatte. Die alten Bewohner von Væroy haben stets von den Lundehunden das behauptet, was wir heute von diesen Hunden auch noch sagen, nämlich  dass diese kleinen Spitzhunde sehr gesund und munter und einfach zu halten sind und dass sie das allermeiste selbst zu organisieren schaffen, sofern ihnen häusliche Geborgenheit, Aufmerksamkeit und Liebe zuteil wird.

IL und Inzucht

Die heute lebenden Lundehund-Hündinnen gebären leicht und sind gute Mütter. Gut sozialisierte Lundehund-Rüden sind gute Zuchtrüden mit gesunden Trieben. Der Lundehund ist heute eine Rasse, die sich relativ leicht züchten lässt. Früher gab es beim Lundehund einzelne Symptome für Inzuchtprobleme. Dies zeigte sich in Form von kleinen Würfen und Fruchtbarkeitsproblemen bei beiden Geschlechtern. Es gab auch Verdacht auf schlechte Immunität bei einzelnen Lundehunden, möglicherweise auch in Verbindung mit IL.

Um zu erreichen, dass der Lundehund weiterhin eine so gesunde Rasse bleibt, müssen wir auch künftig die Zucht so breit wie möglich anlegen. Das will heißen, dass möglichst viele Hunde für die Zucht eingesetzt werden sollten. Der NLK richtet deshalb an alle Besitzer gesunder Hündinnen die Aufforderung, mit diesen zu züchten. Die Besitzer gesunder Rüden werden aufgefordert, diese für Zuchtzwecke zur Verfügung zu stellen.

Es wird davon abgeraten, bei dieser Rasse Zuchtlinien zu verfolgen, und der Inzuchtquotient muss so niedrig wie möglich beibehalten werden. Als praktischer Rat gilt, dass kein Hund auf einem Fünf-Generationen-Pedigree zweimal vorkommen soll. Dieser Rat sollte auch bei Lundehunden außerhalb Norwegens befolgt werden. Ansonsten besteht die Gefahr einer Inzuchtdepression. Sofern einem ein Zuchtpartner für seinen Lundehund fehlt, ist der NLK auf Anfrage gerne behilflich; Gleiches gilt für die Klubs in den jeweiligen Ländern. Viele Züchter sind dazu bereit, ihren Zuchtrüden für Hündinnen in anderen Ländern zur Verfügung zu stellen. Der Zuchtbeirat für den Norsk Lundehund in Norwegen hilft gerne bei der Vermittlung eines Kontakts mit den Besitzern geeigneter Rüden, sofern dies möglich ist.

Der Lundehund und seine Gesundheit in Zukunft

Norwegens Tierärztliche Hochschule hat in Norwegen die kenntnisreichsten Experten für die Rasse Norsk Lundehund. Hinzu kommen gute niedergelassene Tierärzte für Kleintiere in den größeren Städten, und auf Anfrage kann der NLK hinsichtlich der jeweils besten Tierärzte für diese Rasse in Norwegen Auskunft erteilen. Der NLK möchte die Forschungsarbeit, die betreffend den Lundehund und IL an der Veterinärhochschule vor einer Reihe von Jahren begonnen wurde, weiterführen. Wir wollen ferner gründlichere Aufzeichnungen über den Gesundheitszustand der in Norwegen lebenden Lundehunde vornehmen.

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NACHTRAG ZUM EXPOSÉ

In Norwegen werden Lundehunde, die IL hatten und wieder genesen sind, in der Zucht verwendet.

Dies ist wünschenswert von Seiten des NLK, sofern der Hund wieder gesund ist.

Es ist NICHT möglich durch Blutanalysen oder sonstige Untersuchungen festzustellen, ob ein Hund an IL erkrankt war oder nicht. Die jüngsten Forschungsergebnisse bieten auch keinen Anlass dazu so etwas zu behaupten. Falls jemand (in Deutschland) die Ergebnisse so auslegt, deutet es darauf hin, dass total missverstanden wurde, welche Art von Forschung durchgeführt wurde und was die Ergebnisse zeigen. Einen Zusammenhang zwischen der Konzentration der Proteine im Blut und dem Vorhandensein von IL zu finden, ist etwas völlig anderes als die Aussage, dass ein Lundehund mit einer gewissen Konzentration dieser Proteine im Blut IL hatte, hat oder bekommen werde. Es handelte sich hierbei um statistische Arbeiten und eine statistische Wahrscheinlichkeit für den Zusammenhang von Indikatoren mit einer Krankheit.

Andere Deutungen kämen der Behauptung gleich, wenn das letzte Kind ein Mädchen war, lasse sich darauf schließen, das das nächste ein Junge wird, weil statistisch gesehen die Verteilung 50 : 50 ist.

Für uns, die Forschung betreiben oder betrieben haben, ist eine kritische Deutung der Ergebnisse selbstverständlich, für andere kann es hingegen zu katastrophalen Missverständnissen kommen.
Diese ganze Problematik (Anm. d. Übersetzerin: Aussagen, die in Deutschland, als der Weisheit letzter Schluss veröffentlicht werden) wird im Zuchtbeirat in Norwegen behandelt und mit dem Vorsitzenden des NLK besprochen.


 

© Originaltext: Ingvild Svorkmo Espelien

© Übersetzung aus dem Norwegischen

Übernommen von Lundehund e.V.